Reportage

 

Dieser Artikel wurde für den HPW-Tagespropheten eingereicht und bislang nicht bewertet.

 

 

Ein Interview mit Mr. Ollivander von Lenyca Ac-Sarr, Slytherin
(im weiteren Verlauf mit "TP" für Tagesprophet abgekürzt)


Geheimnisse der Zauberstabkunde –  sie stecken im Kern!


Im Gespräch mit Garrick Ollivander (G.O.)



Ollivander – dieser Name steht für Zauberstäbe erster Güte, und das seit weit über zweitausend Jahren. Seit zahllosen Generationen wird diese Kunst in der Familie weitergegeben, mal vom Vater an den Sohn, mal von der Tante an die Nichte, vom Großvater an die Enkelin ... und so fort. Mr. Garrick Ollivander, der seinen auf den ersten Blick eher unscheinbaren äußerst erfolgreich in der Winkelgasse in London betreibt, weiß schon längst, wer eines Tages in seine Fußstapfen treten soll – sein Neffe Erebus, der derzeit noch in Wales studiert und bereits jetzt als herausragendes Talent in seinem Fach gilt. Doch ans Aufhören denkt Garrick Ollivander noch lange nicht – sein hohes Alter schreckt ihn keineswegs davon ab, noch heute selbst das Holz aus Bäumen zu schneiden und sich auf die Suche nach Einhörnern, Phönixen und Drachen zu begeben.
Ein jeder Zauberer weiß um die Wolke aus Geheimnissen, die die Zauberstabkunde birgt, manch einer hat schon von einem gewissen Maß an eigenem Willen gehört, den die Stäbe beispielsweise bei einem Besitzerwechsel offenbaren. Diese Komplexität, so spannend sie auch ist, soll aber ausnahmsweise nicht das Thema dieses anstehenden Gespräches sein. Viel mehr hat uns Mr. Ollivander versprochen, einige Geheimnisse preiszugeben, die manch einer schon längst in Erfahrung bringen wollte.
Ich treffe mich mit Garrick Ollivander im Hinterzimmer seines Ladens, das zugleich auch seine Werkstatt ist. Es ist ein stürmischer Sonntagnachmittag und das Geschäft ist geschlossen. Ich freue mich, dass der berühmte Zauberstabmacher mir seine kostbare Zeit opfert und mich zu diesem Zwecke sogar in sein Heiligtum führt, dass im Gegensatz zu dem Verkaufsraum, den wir alle kennen, ausgesprochen übersichtlich gestaltet ist. Das bringt mich auch gleich zu meiner ersten Frage.

TP: „Mr. Ollivander, in ganz Großbritannien gibt es wohl kaum einen Zauberer, der noch nie ihren Laden in der Winkelgasse besucht hat – fast alle haben hier ihren Stab erworben und schwören auf die Qualität aus ihrem Hause. Im Verkaufsraum stapeln sich aber-hunderte von Zauberstabschachteln und sie kennen den Inhalt eines jeden einzelnen! Eigentlich hatte ich erwartet, dass ihre Werkstatt ein schier unerschöpfliches Lager aus Einhornhaar, Drachenherzfasern und Phönixfedern ist... ganz zu schweigen von einer großen Zahl verschiedenster Hölzer. Tatsächlich sehe ich hier aber nur einen einzigen Korb mit unterschiedlichen Holzscheiten und eine einzige verschlossene Silberdose. Darf ich fragen, was sie enthält und wie es zu dieser ...nun sagen wir einmal „Leere“... in ihrer Werkstatt kommt?“

Ollivander lächelt vielsagend.
G. O.: „Ein Zauberstab ist etwas Besonderes. Er soll seinen Besitzer ein Leben lang begleiten, soll von ihm lernen und ihn gleichzeitig lehren. Man muss Zauberstäbe mit Respekt behandeln und sie werden es danken. Mit anderen Worten: Zauberstäbe sind kein Massenprodukt, es wäre ein Fehler sie nachlässig und überhastet auf den Markt zu werfen. Jeder Stab braucht Zeit, so wie jeder Kern Zeit braucht, ihn zu erlangen. In dieser Dose hier befinden sich Drachenherzfasern. Sie stammen von einem Chinesischen Feuerball, der vor einigen Wochen in einem Reservat verstarb, nachdem man ihn aus einer illegalen Haltung befreite. Es kommt selten vor, dass solch exotische Drachenarten den Kern für einen Stab liefern, weshalb es auch für mich etwas Besonderes ist, damit zu arbeiten. Vermutlich werde ich noch über einen längeren Zeitraum damit beschäftigt sein, aus diesen Fasern Stäbe herzustellen, ich brauche also nichts anderes. Und auch ein Zauberstabmacher kann nicht unbedingt aus den Vollen schöpfen. Für mich ist es nicht weniger schwierig, an Phönixfedern oder Einhornhaare zu gelangen als für sie.“

TP: „Sie meinen also, dass ihr „Werkstofflager“ vor allem deshalb so überschaubar ist, weil es schwierig ist, diese Kernbestandteile zu bekommen?“

G. O.: „So könnte man es auch sagen. Aber selbst wenn ich mehr besäße, so könnte ich sie doch nicht schneller verarbeiten. Jeder Stab braucht seine Zeit und bis ich all diese Herzfasern zu Stäben gemacht habe, habe ich sicherlich auch wieder frisches Einhornhaar oder einige Phönixfedern bekommen.“

TP: „Bitte erklären sie uns doch, wie das genau funktioniert. Wir haben gerade schon gehört, dass sie die Herzfasern eines verstorbenen Drachen vor sich auf dem Tisch haben. Werden sie benachrichtigt, wenn ein Drache in einem Reservat stirbt?“

G. O.: „So ist es. Drachen stellen eine Ausnahme dar. Während ich selbst nach Phönixen und Einhörnern suche, um ihnen Haare oder Federn auszuzupfen, bin ich beim Drachen auf seinen Tod angewiesen. Aber natürlich würde ich nie auf die Idee kommen, einen Drachen seiner Herzfasern wegen zu erlegen. Doch auch Drachen sterben. Ich arbeite mit mehreren angesehenen Reservaten zusammen, die mich informieren, wenn ein Tier stirbt. Dann muss ich schnell sein und dorthin reisen, denn die Fasern müssen sehr rasch nach dem Tod entnommen werden. Allerdings bietet ein so großes Tier dann genug... ähm... Material... um daraus gleich mehrere Zauberstäbe zu fertigen.“

TP: „Bei Einhörnern und Phönixen ist es sicher nicht ganz so einfach?“

G. O.: „Ja und nein. Einhörner sind in Großbritannien und Irland durchaus heimisch, man kann sie finden, wenn man weiß, wo man suchen soll. Dieses Geheimnis werde ich aber für mich behalten, ich möchte mir meine Quellen gern bewahren. Über die Jahre lernt man, wie man sie finden und sich ihnen nähern kann.“

TP: „Gewiss findet man die Haare auch an Sträuchern und Ästen?“

G. O.: „Ja, das ist wohl so, aber ich bevorzuge es, die Einhornhaar direkt vom Tier zu beschaffen. Ich muss wissen, ob es lebhaft, ruhig, temperamentvoll oder ängstlich ist. Ich möchte seinen Charakter kennen, denn nur dann kenne ich auch den Charakter des Stabes. Bei einem wahllos gefundenen Haar ist dies nicht möglich.“

TP: „Das gilt dann wohl auch für die Phönixe?“

G. O.: „Phönixfedern sind für mich am schwersten zu beschaffen. Wie wir alle wissen, leben wilde Phönixe hoch in den Bergen und ich muss weit reisen um in ihre Heimat zu gelangen. Natürlich werden diese Tiere auch gelegentlich... nein, eher sehr selten... als Haustiere gehalten. Ihre Besitzer schreiben mich an und bieten mir an, ein oder zwei Federn auszuzupfen. Meist tun sie das, wenn sie Gold brauchen, denn ich zahle recht gut dafür. Die Federn wilder Phönixe sind fast nicht zu bekommen, aber ein paar Mal hatte ich auch schon Glück.“

TP: „Mr. Ollivander.... die Welt ist voll von magischen Geschöpfen. Warum legen sie sich gerade auf diese drei Kerne fest, wo es doch andere gibt, die vielleicht leichter zu beschaffen und ebenso mächtig wären?“

G. O.: „Ein Zauberstab ist unser treuester Begleiter. Er muss zuverlässig sein. Phönixe sind außerordentlich treu, Einhörner sind ebenfalls eher freundlicher Natur. Ein Drache scheint temperamentvoll und unbeherrscht, doch wir wissen, dass sie auch eine Art Beziehung zu einzelnen Menschen aufbauen können. Die Haare, Herzfasern, Federn, Stacheln oder sonstigen Bestandteile anderer magischer Wesen würden den Stab vielleicht dazu bringen, sich seinem Besitzer zu widersetzen – und das ist natürlich für mich nicht denkbar. Ich will aber nicht verhehlen, dass ich schon einige Experimente gewagt habe.“

TP: „Verraten Sie uns mehr darüber?“

G. O.: „Ich habe einige Male mit Sphinxhaaren gearbeitet. Das war eine äußerst spannende Erfahrung, doch ich hatte das Gefühl, dass die Stäbe eine Eigendynamik entwickelten, die nur von sehr wenigen beherrscht werden kann. Hippogreiffedern hingegen sind einfacher zu bekommen und unterwerfen sich leichter dem Zauberstabhalter, allerdings bergen diese Tiere nur geringe magische Kräfte und es dauert lange, bis man einen Hippogreif findet, der geeignet ist. Wir wissen inzwischen, dass Chimäras und Mantikore ebenfalls exzellente Zauberstabkerne liefern, doch es ist nahezu unmöglich, an ein Chimärahaar oder einen Mantikorstachel zu kommen. Ein solcher Zauberstab wäre auch nicht für junge Zauberer geeignet, weil er tatsächlich „beherrscht“ werden muss.“

TP: „Das war überaus aufschlussreich, Mr. Ollivander. Dieses Gespräch hat mir gezeigt, dass man ihnen  und ihrer Arbeit wirklich vertrauen kann. Wird ihr Neffe Erebus eines Tages ebenso verantwortungsvoll vorgehen?“

G. O.: „Er lernt dieselben Dinge wie ich einst. Und wird dieses Wissen mit Erfahrung bereichern. Seine Arbeit hängt von den Erfahrungen ab, die er macht.“

Mit dieser rätselhaften Aussage beendet Mr. Ollivander das Gespräch abrupt. Vielleicht war es ein Fehler, ihn auf seinen Nachfolger anzusprechen, doch ich bin trotzdem mit dem Verlauf des Nachmittages zufrieden. Lächelnd streiche ich über meinen Zauberstab. Wie jeder, den Ollivander im Laufe seines langen Berufslebens gemacht hat, ist auch er etwas ganz Besonderes.



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